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Nachbericht zur Tagung

 

„Gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen und Menschen mit Behinderungen. Der ANDERE Dialog. Gleichstellung: Wer behindert wen?"

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Kurzprofile der ReferentInnen
Abstracts der ReferentInnen
Vorträge von Franz Fiala, Christiane Link und  Erika Plevnik
 

Mit gut 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus NGOs, ArbeitnehmerInnenvertretungen, Politik, Ministerien und WirtschaftsvertreterInnen wurde die erste Veranstaltung der geplanten NeSoVe-Veranstaltungsreihe „der ANDERE Dialog“ in Kooperation mit dem ÖZIV am Montag, den 12. Dezember 2011 begangen.

 

Der Aufbau
In drei Blöcken wurde die Auffassung von NeSoVe, wie sinnvolle Benchmarks und Indikatoren entwickelt werden können, skizziert. Ausgehend von den von Betroffenen artikulierten Hauptproblemen und –aufgaben wurde die allgemeine gesetzliche und politische Situation analysiert, um anschließend politische Forderungen zu entwickeln, die regulative wie freiwillige Maßnahmen verbindet und auf anspruchsvolle, transparente und meßbare Kriterien setzt. Die Forderungen wurden anschließend mit den anwesenden Interessengruppen diskutiert.

 

1. Teil: Situation der Menschen mit Behinderungen in Österreich
Den ersten Teil der Veranstaltung „Situation der Menschen mit Behinderungen in Österreich“ leitete Jutta Pisecky (Kurzprofil und Foto) von der Technischen Assistenz für Schwerhörige und vom Österreichischen Schwerhörigenbund Dachverband ÖSB ein, indem sie eindrucksvoll die ganz normalen Herausforderungen im Alltag für Menschen mit Behinderungen bei der Arbeitssuche, im Arbeitsalltag, im Bildungswesen und als Kundin schilderte.


Diese subjektiven Wahrnehmungen einer Betroffenen untermauerte die Behindertensprecherin der Grünen Helene Jarmer mit Fakten zur Lage der Menschen mit Behinderungen in Österreich. Unter dem Titel „Wer wird behindert? Arbeit und Leben mit Behinderungen in Österreich“ zeigte sie auf, dass eine Behinderung nicht heilbar ist, behindern schon. Dabei verwies Jarmer auch auf die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung, die Österreich im Jahr 2008 ratifiziert hat und deren völkerrechtlich nun verpflichtende Umsetzung in Österreich noch nicht vorgenommen wurde.

 

Der stellvertretende Behindertenanwalt Hansjörg Hofer zeigte in seinem Vortrag zu „Österreichisches Recht und Behinderung“ die Notwendigkeit beruflicher Einbindung von Menschen mit Behinderungen auf und erklärte die Grundzüge des Behinderteneinstellungsgesetzes, sowie die politischen Maßnahmen der letzten Zeit (Anhebung der Ausgleichtaxe auf 226-336 Euro pro Monat, Lockerung des Kündigungsschutzes durch Einführung einer vierjährigen Probezeit mit dementsprechend gelockertem Kündigungsschutz).

 

2. Teil: Gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen und Behinderung: weitere Maßnahmen
Der zweite Teil „Gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen und Behinderung: weitere Maßnahmen“ wurde eingeleitet durch Franz Fiala. In seinem Vortrag „Primat der Politik über Ökonomie: politische Forderungen an einen Nationalen Aktionsplan CSR“ stellte er dar, warum gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen nicht den politischen Entscheidungsträgern aus der Hand genommen werden darf und wie gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen sichergestellt werden kann. Beispiele der CSR-Blase allein für eigene Zwecke (Marketing, Gewinn) wurden aufgezeigt, wie auch der gesellschaftspolitische Hintergrund der Entstehung der Konzeption CSR.


Christiane Link gab einen Einblick in die Lebensbedingungen von Menschen mit Behinderungen in Großbritannien in ihrem Vortrag „Aus den Erfahrungen Großbritanniens lernen? – eine kritische Bestandaufnahme“. Durch gesetzlich fundamental verankerte Antidiskriminierungsmaßnahmen, die Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen sanktioniert und Beseitigung von Barrieren verlangt, wurde gezeigt, welche Handlungsoptionen Unternehmen und Politik haben, sofern die Rahmenbedingungen dies vorgeben. Sie zeigte auch auf, dass das Umdenken in den Köpfen der Menschen in Großbritannien im Verhältnis zu der von ihr wahrgenommenen Situation in Deutschland und Österreich qualitativ unterschiedlich ist. Die deutliche Besserstellung von Menschen mit Behinderungen in Großbritannien führte bei Christiane Link dazu, dass sie Wunschlondonerin wurde.


Erika Plevnik vom ÖZIV griff Vorbildmaßnahmen aus Großbritannien auf und stellte Forderungen an die Politik in ihrem Vortrag „Meine Behinderung in Beruf und Alltag: kein Problem mit den richtigen Benchmarks und Indikatoren“. Dabei wurden Fragen der Berichtspflichten für Unternehmen, transparente Kennzahlen im Arbeits- und KonsumentInnenbereich für Menschen mit Behinderungen, sowie konkrete Gesetzesänderungsvorschläge präsentiert (Anhebung der Ausgleichstaxe auf das branchenübliche Durchschnittsgehalt, Primäransprüche in das Behindertengleichstellungsgesetz etc.). Anschaulich wurde die Verzahnung von Indikatoren und freiwilligen Benchmarks hinsichtlich der einzelnen Forderungsbereiche dargestellt.

 

3. Teil: Der ANDERE Dialog
Der andere Dialog bildete den letzten Teil der Tagung. Neben Erika Plevnik, Christiane Link und Franz Fiala ergänzte die ehemalige CSR-Beauftragte bei der PORR AG, Anita Fleckl, das Podium. Als ehemalige Abgeordnete zum Nationalrat und CSR-Beauftragte hat sie Erfahrungen aus Politik und Praxis in die Diskussion einbringen können. Sie hat konkrete Erfahrungen schildern können, wie dem Engagement für sinnvolle Maßnahmen im Bereich Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen Grenzen gesetzt werden. Anita Fleckl unterstützte die Forderung Erika Plevniks auf Anhebung der Ausgleichstaxe, da das Beispiel der PORR AG mit 11.000 Beschäftigten in 16 Ländern zeigt, dass die derzeitige Höhe der Ausgleichstaxe nicht zu einem Umdenken führt.

 

Ein Diskussionspunkt war die Frage, ob betriebswirtschaftliches Denken erforderlich, ausreichend oder möglich ist, um anspruchsvolle CSR-Maßnahmen zu setzen oder wie durchgesetzt werden kann, dass soziale Kriterien bei der Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen eingeführt und eingehalten werden, auch wenn dies aus betriebswirtschaftlicher Sicht keine Gewinnsteigerung bewirkt.

 

Ein weiterer Diskussionspunkt war die Frage der Strafen, die kontrovers behandelt wurde. Setzten einige auf empfindliche Strafen zur Durchsetzung regulativer Maßnahmen wie in Großbritannien, war für andere der Weg freiwilliger Umsetzung nach wie vor die einzig gangbare Möglichkeit. Positivbeispiele aus einzelnen Unternehmen wurden hier als Argumentationsgrundlage genommen, sowie die Frage wie politische Prozesse in Gang gesetzt werden.

 

Kontrovers wurden auch Beispiele von Zusammenarbeit von NGOs im Bereich Behinderungen und Unternehmen diskutiert. Hier war die Frage, wie sinnvolle Arbeit von NGOs in diesem Bereich aussehen kann und wo ein Umdenken oder Mut von Unternehmen erwartet werden kann.

 

Schließlich wurden Fragen der Umsetzung von barrierefreien Internetauftritte, der diskriminierungsfreie Zugang zu Information und Kultur, Kündigungsschutz, Doppelberechnung von Pflichtstellen andiskutiert. Konsensual war die Auffassung, dass Systemänderungen notwendig sind, zumindest in den Köpfen. Z.T. wurde darüber hinaus ein Systemwechsel in Politik und Wirtschaft gefordert.

Der ANDERE Dialog am 12.12.2011 hat gezeigt, dass der Diskurs geführt werden muss, dass die Diskriminierung von 1/6 der Weltbevölkerung kein Randthema sein darf, und daß gewisse Sachzwänge bei eindeutiger politischer und gesetzlicher Lage (Bsp. Umbaumaßnahmen bei McDonald in Großbritannien) nicht mehr existieren.

 

Besonderer Dank gilt den SchriftdolmetscherInnen Frau Schihahn und Herrn Abel, den Gebärdensprachdolmetscherinnen Frau Clarke und Frau Brück und Frau Viertbauer vom Student Point der Universität Wien, die uns zwei FM-Anlagen für die Veranstaltung zur Verfügung gestellt hat. Dadurch konnte die Veranstaltung barrierefrei stattfinden.