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NeSoVe Kritik an CSR-Vorlesung Herrn DekanUniv.Prof. Dr. Peter Kampits Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft Universitätsstraße 7 1010 Wien Wien, am 08.02.2008 Betreff: Interdisziplinäre Ringvorlesung "Corporate Social Responsibility (CSR)" - Zur ökonomischen, ökologischen und sozialen Verantwortung von Unternehmen Sehr geehrter Herr Dekan! Dem aktuellen Vorlesungsverzeichnis ist zu entnehmen, dass die Universität Wien im Sommersemester 2008 eine Ringvorlesung zum Thema Corporate Social Responsibility (CSR) anbietet. Als zivilgesellschaftliche Plattform zum Thema CSR sind wir daran interessiert, dass das Thema Unternehmensverantwortung auch im wissenschaftlichen Diskurs breiten Raum findet und begrüßen prinzipiell die Durchführung von Lehrveranstaltungen zu diesem Thema. Auf der anderen Seite sehen wir mit großem Erstaunen, dass die Hälfte der Termine von ReferentInnen der ERSTE BANK (mit)gestaltet bzw. durchgeführt wird. Gerade beim Thema Corporate Social Responsibility geht es darum, die „Stakeholder“ zu Wort kommen zu lassen, d.h. all jene, die von Unternehmensaktivitäten betroffen sind bzw. sein könnten. Die Konzeption dieser Ringvorlesung spiegelt diesen Grundsatz in keiner Weise wider, hier nimmt ein einziges Unternehmen rund 50 Prozent der vorhandenen Zeit in Anspruch. Ehrlicherweise müsste der Titel der Veranstaltung "Die CSR-Strategie der ERSTE BANK – und einige andere Beiträge zur ökologischen und sozialen Verantwortung von Unternehmen“ lauten. „Wirtschaft, Wissenschaft und Nonprofit-Organisationen im Dialog“ ist ein Untertitel der Veranstaltung. Wenn diese Ringvorlesung wirklich ein Rahmen sein soll, in dem Wirtschaft, Wissenschaft und Nonprofit-Organisationen (NPO) ihre Positionen austauschen und den Studierenden näher bringen, so sticht vor allem die mangelhafte Einbindung von zivilgesellschaftlichen Positionen schmerzhaft ins Auge. Nur zwei NPO-VertreterInnen haben hier Gelegenheit zu sprechen - noch dazu beschränkt auf Projekte, die sie in Zusammenarbeit mit der ERSTE BANK durchführen. Unter den NPOs gibt es sehr unterschiedliche und vielfältige Zugänge zum Thema CSR. In dieser Lehrveranstaltung kommt nur die Variante „Kooperationen mit Unternehmen in Einzelprojekten“ vor, was nicht per se mit CSR gleichzusetzen ist und keineswegs dem Zugang aller NPOs entspricht. Best practice Beispiele aus der unternehmerischen Praxis mit einfließen zu lassen ist durchaus sinnvoll. Aber es bleibt aus unserer Sicht unverständlich, warum in dieser Lehrveranstaltung nur ein einziges Unternehmen dafür herangezogen wird. Offensichtlich stellt die ERSTE BANK so genannte Drittmittel zur Verfügung, was aber in den Ankündigungen zur Veranstaltung nicht ausgewisen wird, und erhält auf diese Weise ein Werbeforum bei der vielversprechenden Zielgruppe der künftigen JungakademikerInnen. Wir können nicht verstehen, dass sich die Universität Wien als Werbefläche für eine Bank zur Verfügung stellt und sich so von der Unabhängigkeit in Forschung und Lehre verabschiedet. Damit wird sie auch ihrer eigenen sozialen bzw. gesellschaftlichen Verantwortung in keiner Weise gerecht. Diese Entwicklung ist äußerst besorgniserregend wir appellieren an Sie, bei der Konzeption zukünftiger Veranstaltungen zu diesem Thema eine ausgewogene Repräsentation von Positionen und AkteurInnen in diesem Feld sicherzustellen. Gerne stehen wir Ihnen als zivilgesellschaftlicher Ansprechpartner zum Thema CSR zur Verfügung. Unsere 25 Mitgliedsorganisationen (NGOs aus unterschiedlichen gesellschaftspolitischen Bereichen sowie ArbeitnehmerInnenvertretungen) bilden einen Pool von ExpertInnen, in dem sich auch interessante ReferentInnen für derartige Veranstaltungen finden. Auf unserer Website www.sozialeverantwortung.at finden Sie einige grundlegende zivilgesellschaftliche Positionen zum Thema Unternehmensverantwortung. Mit freundlichen Grüßen Claudia Saller Geschäftsführerin Ein gleichlautender Brief ergeht an den Rektor der Universität Wien Univ.-Prof. Dr. Georg Winckler. Das Programm der Vorlesung Als Reaktion auf diesen Brief erhielt das Netzwerk Soziale Verantwortung Einladungen zu persönlichen Gesprächen mit dem CSR-Beauftragten der Erste Bank sowie mit Uniport. |
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