CSR – Diskurs im Wandel

NeSoVe-Studie belegt: österreichische Unternehmen erteilen der Beliebigkeit von CSR deutliche
Absage
Das Netzwerk für Soziale Verantwortung - NeSoVe fordert bereits seit seiner Gründung vor 3 Jahren,
dass CSR im Kerngeschäft von Unternehmen umgesetzt werden muss. Auch in den „politischen
Forderungen“ gegenüber österreichischen EntscheidungsträgerInnen wurde vielfach darauf
hingewiesen, dass ein CSR-Gütesiegel ein wichtiges CSR-implemetierungsinstrument wäre.
Insbesondere in Zeiten einer globalen Finanz- und Wirtschaftskrise ist es wichtig, CSR nicht weiter als
Marketinginstrument zu missbrauchen. Die NeSoVe-Haltung bekommt nun überraschend deutliche
Unterstützung aus einer wichtigen Ecke.
Die von NeSoVe in Auftrag gegebene Studie „CSR in Österreich“, die von der Forschungsgruppe
“Unternehmen & Gesellschaft“ an der Universität Graz in Kooperation mit dem Institut für empirische
Sozialforschung (IfeS) durchgeführt und Ende letzter Woche veröffentlicht wurde, unterstreicht, dass
verbindliche Regeln im Bereich CSR für eine deutliche Mehrheit österreichischer Unternehmen –
entgegen der Beteuerungen ihrer Interesssensvertretungen – kein Tabuthema sind.
Über 90% der österreichischen Betriebe wünschen sich die verpflichtende und transparente
Überprüfung sozialer und ökologischer Leistungen und erteilen dem Prinzip der Beliebigkeit von CSR
damit eine deutliche Absage. Unter den 100 Unternehmen, die aufgrund von Auszeichnungen,
Zertifizierungen und Außendarstellungen öffentlich als „CSR-Leader“ wahrgenommen werden, liegt
die Zahl sogar noch höher.

CSR in Österreich - erstmals sind repräsentative Aussagen möglich

Die umfangreiche NeSoVe-Studie wurde vom Land Steiermark, vom Sozial- und
Wirtschaftsministerium finanziell unterstützt. Die Daten wurden im Herbst 2008 erhoben, also noch vor
der wirtschaftlichen Rezession. Die Studie zum Thema CSR wurde unter 600 Unternehmen mit Sitz in
Österreich durchgeführt und erlaubt erstmals repräsentative Aussagen über Motive, Maßnahmen,
Unterstützungsbedarf und die Einstellung zur verbindlichen Regelung von Bereichen der Corporate
Social Responsibility.
Es gibt einen eklatanten Unterschied in der Wahrnehmung von CSR zwischen den öffentlich als
„CSR-Leader“ wahrgenommenen Unternehmen und dem Bundesdurchschnitt österreichischer
Betriebe. Nur etwa ein Drittel der landesweiten Unternehmen hat überhaupt je von CSR gehört.
Insbesondere in Klein- und Mittelbetrieben (KMUs) ist die CSR-Diskussion noch nicht verbreitet
angekommen.

Verantwortung gegenüber MitarbeiterInnen häufigstes Motiv für CSR

Betriebe, die CSR wahrnehmen, setzen freiwillige Maßnahmen vorwiegend in Bereichen, die bereits
eine hohe Regelungsdichte aufweisen und dort, wo sie einen unmittelbaren – meist ökonomischen –
Nutzen für das Unternehmen bringen, beispielsweise durch die Einsparung von Energie und
Ressourcen oder durch Recycling.
Die Verantwortung gegenüber den eigenen Mitarbeiterinnen gilt als das häufigste Motiv für CSR, im
Bereich Gesundheit und Sicherheit oder auch zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Business-case – eine win-win Situation in Österreich?

Der Aussage, „wenn Unternehmen mit ihrem sozialen und ökologischen Engagement werben, sollen
diese Angaben überprüft werden können“ und auch die Berücksichtigung sozialer und ökologischer
Kriterien im öffentlichen Beschaffungs-, Vergabe- und Förderwesen fanden überraschend hohe
Zustimmung von jeweils über 80% der Befragten. Darüber hinaus sprachen sich jeweils rund drei
Viertel der befragten UnternehmensvertreterInnen für die Schaffung international verbindlicher sozialer
und ökologischer Mindeststandards sowie – angesichts des aktuellen Shell-Prozess besonders
interessant - für eine einklagbare Rechenschaft von Unternehmen für ihre gesamte
Wertschöpfungskette aus. Die Schaffung eines CSR-Gütesiegels befürworteten mehr als 70% der
Befragten.. Dieses eindeutige Votum für klare und verbindliche Regelungen im Bereich ser CSR wäre
jedenfalls ein starkes Argument für die österreichische Politik, sich für nationale und internationale
Standards stark zu machen. Aber auch dafür, innerhalb Österreichs durch Reformen im Förder- und
Vergabewesen, sowie in der Wettbewerbs- und KonsumentInnenpolitik aktiv zu werden.
Die Studie zeigt darüber hinaus Grenzen eines „business-case“-Ansatzes, der mit „win-win“-
Situationen verantwortlichen Wirtschaftens wirbt, ohne dass dafür geeignete politische
Rahmenbedingungen vorhanden wären. Notwendig wären Rahmenbedingungen, die
Handlungsspielräume schaffen, innerhalb derer gesellschaftliche Erwartungen und individuelle
Werthaltungen allgemein realisiert werden könnten.
Wenn aber fast 50% der Unternehmen überzeugt sind, dass „fehlender Nutzen bei zu hohen Kosten“
ein Hindernis für eine stärkere Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung darstellt und wenn ein
Drittel der CSR-Leader „eine geringe Nachfrage bzw. mangelndes Kundenbewußtsein“ als Hindernis
nennen, so sind dies Indizien dafür, dass CSR als business-case noch wenig entwickelt ist und daher
politischer Handlungsbedarf besteht.

Mögliche Maßnahmen zwischen staatlicher Regulierung und der Freiwilligkeit sozialer unternehmensverantwortung

Die Studie kommt zu dem Schluß, dass ein verstärktes Beratungsangebot, insbesondere für KMUs,
sinnvoll und notwendig wäre, da die wenigen bestehenden Angebote zu wenig bekannt sind oder aus
finanziellen Gründen schlichtweg nicht in Anspruch genommen werden.
Insbesondere die Entwicklung eines CSR-Gütesiegels und die Ausrichtung des öffentlichen
Vergabewesens nach CSR-Kriterien wird von österreichischen Unternehmen gewünscht.
Von öffentlichen EntscheidungsträgerInnen und der österreichischen Politik wird insgesamt eine
deutliche Positionierung – v. a. im Förder- und Vergabewesen sowie in der Wettbewerbs- und
KonsumentInnenpolitik – gefordert. Nicht zuletzt, um Österreich international als
verantwortungsbewussten und vertrauenswürdigen Wirtschaftsstandort zu positionieren: Über 90%
der Unternehmen mit internationalem Absatz erwarten sich dadurch einen langfristigen
Wettbewerbsvorteil.

Download: Studie_CSR_in _Oestereich_





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